Mode Depesche #2 | Luxusmode

Interview mit Dirk Bach für Mode Depesche.
Fotos von Sabine Reitmaier.

produzentin im Gespräch mit Dirk Bach

produzentin: ich hab hier ein paar schöne Karten mit Fragen vorbereitet, wie bei der Sandra Maischberger, damit es für dich ein bisschen intimer wirkt.

Dirk Bach: (lacht) Ich finde es schon mal sehr intim wie uns das kleine Schälchen mit den Schokoladentäfelchen aufgebaut wurde.

produzentin: Vor kurzem ist ja der großartige Film? Im Himmel ist die Hölle los? wieder in die Kinos gekommen!

Dirk Bach: Ich glaube aber nur 2 1/2 tage, dann war er schon wieder draußen!

produzentin: In Frankfurt lief er sogar eine Woche!

Dirk Bach: Nein, hör auf. Wie alt ist der Film denn jetzt? 20 Jahre!

produzentin: Ja genau. In dem Film spielst du den – vielleicht kann man sogar sagen: drogensüchtigen – TV Moderator Willi Wunder, der eine gleichnamige Show präsentiert.

Dirk Bach: Man kann sagen drogensüchtigen TV-Moderator, mit dem berühmten Staubsauger!

produzentin: Hat der Film eigentlich deine Karriere so ein bisschen vorweggenommen — ich will nicht auf Drogen anspielen (lacht)…

Dirk Bach (lacht)

produzentin: … sondern auf deine TV Karriere, denn der Willi Wunder ist ja sehr, sehr beliebt.

Dirk Bach: Nein, aber der Film hat einiges vorweggenommen, was man sich damals nicht vorstellen konnte: Irgendwelche Kabelkanäle, auf denen es wundersame Geschöpfe gibt, die auf einmal große Stars sind. Aber bei mir ist es dann doch ein bisschen anders gekommen. Ich wusste nie, was der Willi Wunder für eine Show hatte, das kommt in dem Film eigentlich gar nicht raus.

produzentin: Es sieht so ein bisschen aus wie Dalli Dalli oder Der große Preis.

Dirk Bach: Ja, irgendwie so was. Stimmt, Ortrud Beginnen hat diese kleine Quizsituation. Vielleicht ein ganz frühes Wer Wird Millionär mit einem kleinen, dicken, drogenmutierten Günther Jauch. Wäre doch Günther Jauch nur so, dann wäre die Welt etwas schöner!

produzentin: Was sind dann aber die Unterschiede zwischen Dirk Bach und Willi Wunder? Oder was hat sich bei dir anders entwickelt?

Dirk Bach: Also, wenn ich diesen schönen blauen Samtanzug sehe, dann kann ich mir mich darin immer noch sehr gut vorstellen. Das Toupet vielleicht nicht, – obwohl, wenn du mir falsche Haare aufsetzt, würde ich auch nicht nein sagen. Wenn ich deine hier sehe, die würde ich auch sofort nehmen. Bei mir war halt der Punkt immer ein anderer, ich bin nicht geworden, was ich geworden bin, weil ich berühmt werden wollte, sondern weil ich Schauspieler sein wollte. Ich wollte Theater spielen. Das dann später Fernsehen dazukommt, und ich absurde Dinge in Australien mache, wer hätte das gedacht? Ich nicht.

produzentin: Liegt dir das Theater näher?

Dirk Bach: Mein Ursprung ist halt das Theater, ich bin Schauspieler geworden, weil ich Theater spielen wollte. Das sich diese großen Facetten, die es in diesem Beruf gibt, öffnen, und dass ich das dann auch alles tue, das passierte halt so nach und nach.

produzentin: Noch mal zurück zu “Im Himmel ist die Hölle los”. Wo kam eigentlich dieser fantastische, mit großen Fix und Foxi Köpfen bedruckte Hausanzug her, den Billie Zöckler in dem Film trägt?

Dirk Bach: Der war von mir!

produzentin: Der war von dir?!

Dirk Bach: Der Fix und Foxi Anzug ist meiner. Der wurde 1980 von meiner Mutter aus Fix und Foxi Kissenbezügen geschneidert. Den Stoff hatten wir damals wahrscheinlich bei Hannemann gekauft, oder wie das hieß. Mit dem Anzug bin ich auch ausgegangen. Irgendwann ist er dann leider auseinandergefallen.

produzentin: Toller Anzug! Und auch irgendwie ein Bernhard Willhelm mäßiger Look.

Dirk Bach: Stimmt! Ein früher Bernhard Willhelm! Wenn er das wüsste!

produzentin: Wie bist du dann später auf Bernhard Willhelm gekommen?

Dirk Bach: Ich glaube, ich habe ihn bei Heimat entdeckt. Ich bin natürlich ein großer Walter van Beirendonck Fan und Bernhard Willhelm hat ja bei ihm gelernt. Und diese ganzen Designer, die in Belgien gelernt haben und da zuzurechnen sind, die gefallen mir gut. Früher war es eben Dries van Noten und so, dass ist heute nicht mehr so aktuell. Es waren erst die Japaner und dann waren es die Belgier.

produzentin: Und was war bei dir der Einstieg? Welcher Designer?

Dirk Bach: Yamamoto. Das war zu einer Zeit, als er so glockig schnitt. Und glockig kam mir sehr entgegen.

produzentin: Glockig sieht ja auch sehr gut aus!

Dirk Bach: Ja, eben. Da habe ich noch wundervolle Jacketts, die kann man immer noch anziehen. Es ist alles wundervoll. Die waren immer mit riesigen Dingen bestickt, das war mir natürlich eine große Freude. Diese Tristesse, mit diesem Schwarz, was die Leute in ihren Werbeagenturen oder in ihren kreativen Anstalten tragen, das ist nicht meine Freude. Ich finde, die Kleidung muss schon irgendwie vor mir erblühen. Dann bin ich glücklich und zufrieden.

produzentin: Hast du ein Lieblingskleidungsstück von Bernhard Willhelm?

Dirk Bach: Ja aus einer frühen Kollektion, eine Jacke und eine Hose, eben wie ein kleiner Anzug, in weichem, sweatshirtmäßigen Stoff, und darauf sitzen lauter kleine Erbsenbabies in Zuckerschoten. Das ist mein absoluter Lieblingsanzug, den trage ich sehr, sehr, sehr, sehr gern. Dazu habe ich ein Bernard Willhelm T-Shirt, da sitzt King Kong auf dem Empire State Building. Und hübsche Stiefel von W&LT von Walter van Beirendonck. Das ist ein sehr schönes Outfit. Mein Lieblingsoutfit.

produzentin: Nachdem ich gefragt wurde, dieses Gespräch mit dir zu führen, und ich meinen Freunden davon erzählt habe, sagten die sie haben den Dirk auch schon oft im Fernsehen in Bernhard Willhelm gesehen. Ich hatte das leider immer verpasst. Dann bekam ich plötzlich einen Anruf: Schalt mal auf RTL, der Dirk trägt Bernhard! Das war dann glaube ich bei einer 80er Show und du hattest die Hose mit den Clownsgesichtern an. Und das fand ich dann ganz toll.

Dirk Bach: Ja, die Bernhard Willhelm Hose, ein T-shirt von Boy George und eine Jacke, die ich in Australien gekauft hatte. Dort gibt es ja ganz viele sehr, sehr schrille junge Designer, die wundervolle Sachen machen, die aber gar nicht nach Deutschland kommen.

produzentin: War das eigentlich ein T-Shirt von Boy Georges Musical Taboo?

Dirk Bach: Es war eins, aus dem später Taboo wurde. Das war lange bevor er Taboo gemacht hat, als er das erste Mal Leigh Bowery zitiert hat, das hast du richtig erkannt. Das war dieses Disco Terrorist.

produzentin: Dann bist du also Boy George und Leigh Bowery Fan?

Dirk Bach: Ja natürlich, Boy George. Ich hatte ja das selbe Aufwachsen. Ein ähnliches Großwerden mit ähnlichen Einflüssen,er in England und ich eben in Deutschland. Erst war ich bei David Bowie, so wie Boy George auch. Und es gab ja auch gleichzeitige Momente, als er in die Pop Musik ging, ging ich ins Theater. Dabei haben wir aber die selben Vorlieben behalten für bestimmte Dinge.
Am liebsten mag ich die absurden Boy George Sachen. Er hat ja jetzt in Amerika eine Linie, B-Rude. Die finde ich ein bisschen doof, weil sie industriell gefertigt wird. Die ersten Sachen hat er in England gemacht und in einem Bioladen verkauft, was ich ganz großartig fand. Die waren wirklich zu Hause geklöppelt. Da hat er aus alten Hemden die Labels rausgeschnitten und sie mit allem möglichen beschüttet, mit Kleber, mit Farben, auch mit Siegelwachs, und daraus eben wunderbare Dinge kreiert. Das mag ich natürlich sehr sehr gerne. Ich habe einiges davon erstanden im Bioladen, das fand ich so schick!

produzentin: Und hast du dann auch noch etwas Gemüse mitgenommen?

Dirk Bach: Nö, das habe ich dann diesen strengen anderen Kunden überlassen.

produzentin: Hast du Boy George dort getroffen?

Dirk Bach: Nein, ich habe ihn aber mal gesehen, natürlich, weil ich in Taboo ungefähr 9 mal drin war.

produzentin: In New York oder London?

Dirk Bach: In London war ich wahrscheinlich sechs oder sieben Mal drin und in New York auch noch zweimal.

produzentin: Welche Aufführung hat dir besser gefallen?

Dirk Bach: Ich mochte, was sie im Londoner Westend gemacht haben. Von der ersten Vorstellung bis zur letzten habe ich das immer wieder gesehen und es war toll, was da alles passiert ist. Und wie sie die Stimmung immer wieder neu gebaut haben. Es war sehr intim und sehr nah dran. Wir, als altes Europa, verstehen was da passiert, aber es war natürlich schwierig, das nach NYC zu transportieren. Da wurde es eine riesige Broadwayshow, die 10 Millionen Dollar gekostet hat. Es war natürlich großartig, das Musical so gigantisch, riesig und opulent zu sehen. Hat auch viel Spass gemacht, aber dadurch hattest du eine viel größere Distanz. Er hat jetzt in seinem Buch sehr beklagt, wie es dort zum Beispiel mit den Kostümen gelaufen ist. Da wurden Sachen für 10000 Dollar angefertigt, und er sagte, was soll das, da setzen wir uns lieber mit einer Heißklebepistole hin und hauen die Kostüme zusammen. Das ist eben der Gedanke, den er hatte. Ihm ging es um etwas anderes. Wahrscheinlich war das auch teilweise der Grund, wieso sie in NYC gescheitert sind.

produzentin: Es ging als eher um den Ausdruck und das Gefühl und nicht darum, dass es 100% perfekt ist?

Dirk Bach: Nein, eben nicht, weil um das 100% Perfekte ging es bei Leigh Bowery ja auch nicht. Da war der Akt des Herstellens der Kostüme viel wichtiger als der des wirklich damit Ausgehens. Man hat neun Stunden sein Kostüm gebastelt, aber danach waren alle so betrunken das sie in dem Outfit zusammengeklappt sind. Aber es war ein großer Abend.

produzentin: Ja, und wenn man sich manche Kostüme ansieht, muss das Tragen durch das Abbinden von Körperteilen weh getan haben, oder man hat wahnsinnig geschwitzt.

Dirk Bach: Es ging wirklich um was anderes als schön und gepflegt in der Ecke zu sitzen.

produzentin: Ja, das kann ich gut verstehen.
Jetzt geht die neue Ausgabe der Modedepesche über Mode und Luxus oder Luxusmode oder Modeluxus. Hast du durch die Designermode ein anderes Gefühl für Luxus bekommen?

Dirk Bach: Ja, Luxus, ist immer so abstrus, Leute haben ihren Luxus mit Marken wie Hermes und Dingelchen und was noch, ich weiss nicht, ich habe auch nichts mit Diamanten und Gold, das ist mir weit entfernt. Ich trage hier diese MTV Asien Uhr gerne, die gefällt mir gut. Es ist mehr die Vorstellung, das da jemand etwas getan hat, was sein Gedanke, sein Input, seine Kunst war, daran habe ich große Freude, und dann ist es natürlich wieder Luxus, weil es etwas besonderes ist und nicht nur irgendwelche Kleidung.
Für mich soll Kleidung dazu passen, wie ich mich grade fühle… wenn ich weiss, ich muss früh aufstehen und irgendwo sein, muss ich wirklich sehr viel überlegen, und brauche dann auch eine ziemlich lange Zeit, um zu überlegen, was könnte mein Gefühl, wie könnte meine Stimmung sein, was will ich ausdrücken, wie will ich drauf sein. Dann brauche ich die passende Kleidung, weil die zu alldem dazu gehört. Also es ist nicht nur Schutz, es ist Ausdruck, es ist alles!

produzentin: Und was machst du, wenn deine Stimmung umschlägt?

Dirk Bach: Dann wird es kritisch. Dann muss ich sehr schnell umschalten. Das ist auch schon oft passiert. Das ist furchtbar. Das ist nicht schön.

produzentin: Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, was ist das für eine Luxus-Ische? Mit den ganzen Labels. Der läuft in Bernhard rum und auf seiner Mütze hat er eine kleine Chanel Kassette. Das ist zwar kein Hermes, aber es sind trotzdem Statussymbole.

Dirk Bach: Wenn ich was lustiges von Hermes sehe, nichts dagegen. Ich denke, bei mir ist das Outfit immer zu abstrus gemischt, dass man sagen könnte, ich bin eine Ische. Da kann auch der Fubu Schuh dabei sein, den 70% der Jugendlichen tragen, mit irgendwas anderem kombiniert. Da habe ich keine Berührungsängste. Ganz im Gegenteil. Nehmt alles und mischt und seid glücklich.
Ich habe aber nichts gegen einen uniformen Look. Manchmal ist es bestechend, dass zu sehen. Aber ich glaube, das ist immer nur bestechend zu sehen, wenn Menschen jung sind. Dann finde ich das putzig und suess.
Aber am putzigsten finde ich immer, wenn es sich verwirbelt und wild gemischt ist. Und das gab es eben auch schon früher, ich denke daran hast du immer schon gemerkt, wer ein bisschen anders ist. Wessen Herz eben offen war für die Dinge. Und wer nicht dogmatisch war und nur cool sein musste.

produzentin: Wenn sich der Look auch mal gebrochen hat?

Dirk Bach: Das Brechen ist sowieso das Wichtigste, sonst ist es nur ein gekauftes Gefühl. Stil ist eher, wenn du offen bist für diese wilde Mischung.
Und auch die Absurdität wissen. Es ist absurd, dass es 2000 Euro kostet, aber ich habe jetzt Freude daran. Gib mir da noch irgendwas für 10 Dollar dazu und dann ist alles ganz prima.
Ich finde das halt cool, die Chanel Kassette zu tragen und trotzdem meine Swatch dazu.

produzentin: Wieviele Teile hast du im Kleiderschrank?

Dirk Bach: Oh, das ist schwierig, das wichtigste Kleidungsstück ist sowieso das T-Shirt, weil ich natürlich am liebsten eine absurde Hose zu einem absurden T-Shirts kombiniere. Und T-Shirts, dass sind glaube ich Hunderte. Hosen, keine Ahnung, habe ich nie gezählt. Wir haben irgendwann mal aufgestockt, ich glaube es sind so 10 Meter Kleiderschrank.

produzentin: Gibt es eine extra Abteilung Bernhard Willhelm?

Dirk Bach: Nö, ich habe alle Designer durcheinander. Nur thematisch geordnet, damit ich alles wiederfinde. Da sind die Shirts von Boy George, dahinter sind die von Marylin Manson, daneben ein bischen Pop Kultur mit New Kids on the Block, Cindy Lauper und was weiss ich noch was, dann politische Shirts, dann die Vegetarier Shirts. Da sind Folter Shirts. (lacht)

produzentin: Und gibt es eine eigene Kategorie für Drag?

Dirk Bach: Nee, ich habe ein Wollkleid, und das ist auch wirklich das einzige Kleid – obwohl, es gibt noch so ein paar Yamamoto Pullover, die würden
durchaus als Kleid zählen. Sonst habe ich keine Kleider.

produzentin: Und das Kleid vom deutschen Fernsehpreis?

Dirk Bach: Ja, dass war nicht meins, das ist beim WDR, die haben es hergestellt und denen gehört es auch.

produzentin: Wessen Idee war das eigentlich, das damals anzuziehen?

Dirk Bach: Das war die Idee von Sandra Maischberger und mir. Es gab diese bestimmte Erwartungshaltung, wenn wir beide das tun, und dann dachten, wir wie können wir schön eröffnen im klassischen Sinne und drehen das ganze gleich hin und her. Und das ist auch genau aufgegangen.
Es gibt ja selten gute Momente im Fernsehen, aber das war einer.

produzentin: Ich habe davon gehört, dass es eine ursprünglich nicht ausgestrahlte “Zimmer Frei” Sendung gibt, bei der es anscheinend nicht so gut gelaufen ist.

Dirk Bach: Ja, da ging igrendwie alles schief. Die haben andere Dinge erwartet und ich wollte bestimmte Sachen nicht. Heutzutage wäre ich vielleicht auch wieder lockerer, da macht mir das viel weniger aus. Aber das hat damit zu tun, wie es einem gerade geht. Ich finde, da soll man das auch ruhig so sagen. Wenn ich keine Lust habe, habe ich keine Lust. Bin ja kein Aufziehpüppchen.

produzentin: Oder bekommst du manchmal schlechte Laune, wenn du, wie in der Sendung Zimmer Frei, Stofftiere geschenkt bekommst?

Dirk Bach: (lacht) Ich kriege nie schlechte Laune, wenn ich was geschenkt bekomme. Ich nehm das alles. Ich denke nur machmal, wenn euch nichts besseres einfällt…
Ich habe nichts dagegen, aber manchmal, wenn sie dann sagen, wir haben jetzt wieder eine Plüschtierwelt für dich aufgebaut, dann fängt es mich wirklich an zu langweilen. Das haben wir schon hundert mal durchgekaut. Wenn ich zum Beispiel beim Börsenverein in Frankfurt zum Welttag des Buches bin, dann geht es um Bücher und dann wollen alle nur wissen, ach ja, sie haben zweitausend Bücher. Ja, ok, ich habe zweitausend Bücher. Jeder braucht es so, wie er es eben braucht. Das findet man manchmal ermüdend. Vielleicht kann mal jemand das ganze von einer Person sehen, aber das ist eben schwierig. Man muss es immer schön für sich bebildern.

produzentin: Die nächste Schublade wäre dann: Bärchen. Ich war da nämlich in so einem Buchladen und da habe ich so ein Bärenmagazin gesehen, rein zufällig durchgeblättert (lacht)

Dirk Bach (lacht): Das war erste Mal, das ich mich auf einem Titelbild von einem Porno Magazin gesehen habe. Das war in London und man musste in einen Hinterraum gehen, um reingucken zu können.

produzentin: Und ich habe darin gelesen, dass du von den Lesern des Magazins zum beliebtesten Bär Deutschlands gewählt worden bist, zum beliebtesten TV-Bär.

Dirk Bach: Ja TV-Bär. Ist doch sehr schön, wenn einem die Menschen für sexy halten. Bei Peta war ich auch der sexieste männliche Vegetarier.

produzentin: Haben die von Peta eigentlich verlangt, dass du dich rasierst, wegen “Kein Pelz !”? (lacht)

Dirk Bach: (lacht) Na, der ist ja noch an mir dran, deswegen ist das ja völlig in Ordnung. Ich wurde ja nicht gehäutet.

produzentin: Das wäre auch ein bischen viel verlangt.

Dirk Bach: Ja, stell dir mal vor, dass müsste alles gewachst werden, was wäre das tragisch!

produzentin: Ist dir die Rolle lieb als Bär in der Gay Community?

Dirk Bach: Also, ich bin ja was ich bin, ich kann ja nicht bestreiten, es wäre nicht so.
Ich empfinde das nicht als eine weitere Schublade, weil ich bin ja nicht das, was man sich im klassischen Sinn als Bär vorstellt, der im rustikalen Hemdchen und in der Jeans und in den kleinen, klobigen Schuhen daherkommt.

produzentin: Wäre das nicht auch mal schön?!

Dirk Bach: Wär nicht so ganz meine Freude. Ich bin halt einer von denen, der auch da wieder ein bischen anders aussehen will. Ich mag es, wenn es sich auch in der Bärchenbar mischt. Da stehen ja auch nicht nur die mit den Ledergeschirren rum.

produzentin: Man kann auch mal ohne Harnisch ausgehen!

Dirk Bach: Ja, oder wie das alles heisst. Wir wissen das gar nicht! So lange nicht Bernhard Willhelm irgendwelche Sachen macht in diese Richtung, wissen wir das gar nicht.
Bei der Kollektion, da sind wir die ersten. (lacht) Da haben wir dann so einen kleinen, fahrbaren Sling bei uns. (lacht)

produzentin (lacht)

Dirk Bach: Müssen wir den Menschen eigentlich sagen, wieviele wir von diesen Schokolädchen gegessen haben?

produzentin: Wir müssen diese Papierchen hier wegräumen! Mir ist das auch unangenehm, ich habe ja die meisten gegessen.

Dirk Bach: Ja, du bist ja auch produzentin! (lacht)

produzentin (lacht): Ja, ich darf ja! Ich muss ja meinem Ruf gerecht werden. Zum Schluss habe ich noch ein paar kurze Powerfragen!

Dirk Bach: Ahhh, Powerfragen!

produzentin: Was ist das beste Album, welches jemals aufgenommen wurde?

Dirk Bach: Oh, das finde ich schwierig. Da fällt mir soviel ein! Ich würde dann einfach das erste nehmen, was ich gekauft habe, das war von David Bowie, Aladine Sane. Immer noch eine der schönsten Platten.

produzentin: Was ist das beste Buch, was jemals geschrieben wurde?

Dirk Bach: Das ist ja genauso! Nicht das Beste, aber eins der tollsten überhaupt, ist Middlesex. Finde ich ein ganz wichtiges Buch. Aber das neue von Boy George ist auch sehr schön. Straight. Das ist ganz ganz interessant.
Vor allem, wenn man vorher Take It Like A Man gelesen hat. Dort erzählt er die Geschichte bis zu einem gewissen Punkt, bis in die 90er rein. Und bei Straight guckt er eben nochmal wieder anders, 10 Jahre später, drauf, mit dem Musical und dem Broadway was er da so erlebt hat und überhaupt. Es geht auch um die Unterhaltungsmedien und die Popwelt und die Popkultur und all das für unsere Generation. Die Menschen so um die 40. Die Homosexuellen.

produzentin: Was ist dein Schlüssel zum Glück?

Dirk Bach: Mein Schlüssel zum Glück!? Oh Gott, wenn ich den hätte, ging es mir besser. Nein, den Schlüssel zum Glück habe ich glaube ich überhaupt nicht. Wer hat den schon? Wäre auch doof, würdest du den nehmen? Würdest aufschliessen und alles wär gut, ist doch doof!

produzentin: Ich würde so einen kleinen Schlüssel zum Glück nehmen, wenn ich ihn bräuchte. Ich denke, es gibt ja vielleicht mal stille oder traurige Momente und wenn man dann so einen kleinen Schlüssel hätte, dann könnte man damit eine kleine Tür aufschliessen.

Dirk Bach: Ja, aber das funktioniert ja nicht. Aber es bleiben immerhin noch die Küsse des Gatten. Und die Sky Vodka Flasche aus dem Eisfach. Und wenn die wirtschaftlichen Ergebnisse gut waren in der Firma, kann man immer noch die Kreditkarte aus der Handtasche nehmen und zu Heimat gehen.

produzentin: Dann wird einmal durchgezogen und dann sieht es wieder besser aus.

Dirk Bach: Genau. Dann geht man nach Hause und hat ein bischen oberflächliches Glück und ist trotzdem immer noch Scheisse drauf.

produzentin: Was ist dein kostbarster Besitz?

Dirk Bach: Mein kostbarster Besitz, aaaaahhhhh.

produzentin: Was könnte das sein?

Dirk Bach: Ich weiss nicht, ich hoffe meine Leber, die hat weiterhin so gute Werte, trotz Alkoholmissbrauch in früheren Jahrzehnten. (lacht)

produzentin: So, das war meine letzte Powerfrage. Vielen Dank für das Gespräch.

Dirk Bach: Es war mir eine große Freude.

Mode Depesche

Author: produzentin

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One thought on “Mode Depesche #2 | Luxusmode”

  1. vielen dank, konsumentin, dass wir durch deine knallharten fragen jetzt wissen, wo dieses fantastische fix und foxi-nachthemd herkommt. und dass er darin auch ausgegangen ist: ganz, ganz toll! ich fand ja schon immer, dass dirk bach bei aller comedy trotzdem ein guter ist, aber durch dieses interview hat er noch einiges an sympathiepunkten dazugewonnen. hätte er nur zweimal weniger das wort “abstrus” verwendet, ich wäre jetzt unsterblich in ihn verliebt. dein bw-outfit sieht übrigens auch hinreissend aus. es lässt deine handegelenke so schlank sein.

    xxx,

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